Deutschland diskutierte zwei Wochen lang über seinen Verteidigungsminister und am Ende musste er gehen. Es gab Revolutionen in Tunesien, Ägypten und Libyen, die Entscheidung über eine Flugverbotszone über Libyen, bei der Deutschland sich enthielt und viele Diskussionen darüber in der Politik und in den Medien. In Japan liegt die Wirtschaft und das Land nach dem verheerenden Erdbeben, Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima am Boden. Die Welt verfolgt gebannt, wie man die verheerende Kernschmelze in den Griff zu bekommen versucht und hierzulande wird hitzig über den Nutzen und die Gefahren der Kerntechnologie diskutiert. 250.000 Menschen gingen gegen Atomenergie auf die Straße – soviele, wie noch nie – und die Parteienlandschaft ist bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gehörig durcheinander geraten. Die gerade beschlossene Verlängerung der Laufzeitverträge für die Kernenergie in Deutschland steht auf dem Prüfstand und Energieunternehmen rebellieren gegen das von der Bundesregierung ausgerufene Moratorium.
Kurzum: Die Welt ist im Umbruch, in der deutschen Politik herrscht Ratlosigkeit über die Richtung, die man einschlagen will. Es wäre also genau der Zeitpunkt, wo man von einem Staatsoberhaupt verlangen dürfte, sich zu äußern. Aber Christian Wulff ist nicht als großes Staatsoberhaupt gekommen und um große Worte zu sprechen. Er ist als Konkurrent von Angela Merkel von ihr höchstselbst auf den Thron gehievt worden, um ihr den Rücken frei zu halten, als sein Vorgänger ihr zu unbequem wurde und überhastet den Hut nahm. Er ist der Präsident an der kurzen Leine der Kanzlerin und als solcher hält er sich zurück, auch wenn es viel zu sagen gäbe. Schweigen und aussitzen, das ist das Rezept der Macht seit Helmut Kohl und von diesem hat auch eine Angela Merkel sehr wohl gelernt, wenn es darum geht, das Machtgeflecht aufrecht zu erhalten. Da folgt dem “Herbst der Entscheidungen” ein Frühling der Sprach- und Ratlosigkeit, aber solange niemand darüber spricht, prallt jede Kritik an ihr ab. So werden wir unser Staatsoberhaupt zur Neujahrsansprache wiedersehen, wenn er uns in Worthülen verpackt ein frohes Jahr 2012 wünscht. Bis dahin herrscht Funkstille in Berlin, um schlafende Bürger bloß nicht zu wecken.

